Top-Themen für Unternehmer

Compliance: Gute Umgangsregeln im Mittelstand fördern

Steuerhinterziehung, Korruption, Ausbeutung: Es gibt Dinge, die gesellschaftlich als unmoralisch betrachtet werden oder sogar verboten sind. Einige große Unternehmen - wie zuletzt der ADAC - sind da massiv in die Kritik geraten. Das Thema wird auch für den Mittelstand immer wichtiger.

Ist es ein Geschenk oder Bestechung? Das ICC-Portal geht dieser Frage in Bezug auf China nach und rät dazu, sich über Gesetze in China umfassend zu informieren. Korruption sei in China - wie in vielen anderen Ländern - ein großes Problem. Und auch deshalb gilt auch hier der alte Spruch: Vertrauen und Verträge sind gut, Kontrolle ist besser.

"Gepflogenheiten" bringen oft Schwierigkeiten

Das Beispiel zeigt aber auch: Die Gepflogenheiten in einem anderen Land können zu Konflikten führen mit den Wertvorstellungen im eigenen Land: Sind die Produktionsverhältnisse wirklich sozial? Wurde für den großen Auftrag ein Schmiergeld bezahlt? Was in China und Fernost womöglich oder auch vermeintlich zur Tagesordnung gehört, führt in Deutschland zu echten Problemen. Die Korruptionsskandale bei einigen großen deutschen Großkonzernen haben gezeigt, dass dies nicht zur zu einem echten Imageproblem, sondern auch zu hohen Strafzahlungen führen kann.

Aber als Unternehmer muss man gar nicht so weit in die Ferne schauen: Auch hierzulande gibt es Dinge, die früher als Sport galten und heute zu mehr als nur einem finanziellen Problem führen können. Galt Steuerflucht und Steuerhinterziehung noch vor wenigen Jahren eher als Volkssport, bekommt dies schon länger eine ganz andere Anmutung. Und dieses Vergehen hat der Reputation einiger Prominenter - einer davon eben auch ein ausgewiesener mittelständischer Unternehmer - auch einen deutlichen Kratzer zugefügt, unabhängig davon, wie das am Ende Gerichte beurteilen.

Motivation rund ums Compliance

Laut einer Studie des Center for Business Compliance sind Haftungsvermeidung und Korruptionsbekämpfung die Haupttriebfeder auch für den Mittelstand, sich mit Compliance zu beschäftigen. 83 Prozent der befragten Unternehmen sehen Compliance als Mittel zur Haftungsvermeidung, 78 Prozent als Mittel zur Korruptionsprävention. Ganz oben auf der Agenda steht dabei der Wunsch, Bestechung oder Bestechlichkeit zu vermeiden. Die Bereiche Einkauf/Beschaffung und Vertrieb sehen die befragten Unternehmen als Hauptbereiche ihrer Compliance-Bemühungen. Gleichzeitig haben aber nach einer Studie des Deloitte Mittelstandsinstituts erst 48 Prozent der befragten Unternehmen ein Compliance Management System eingerichtet.

Vermeintlich hoher Aufwand schreckt viele Unternehmer

Allerdings zeigt eine Studie von PriceWaterhouseCoopers auch, dass es offensichtlich für viele Unternehmen - nämlich 57 Prozent - sehr markante Gründe gibt, sich in naher Zukunft nicht näher mit diesem Thema zu beschäftigen: Sie fürchten unverhältnismäßigen Aufwand (54 Prozent), zu viele bürokratische Kontrollen (58 Prozent) und zu hohe Kosten (53 Prozent).

Große Unternehmen setzen zwar oftmals auf eine eigene Planstelle für den Corporate Compliance-Officer. Rechtsanwalt Dr. José A. Campos Nave von Rödl & Partner beschreibt die Einführung eines kompletten Compliance-Management-Systems für den Mittelstand aber als zu aufwändig. "Sofern ein Corporate Compliance-Officer nicht eingeführt wird, sollte zumindest ein Corporate Compliance-Beauftragter im Unternehmen bestimmt werden", mahnt er aber auf der Website der IHK Frankfurt am Main. So sei für die Zukunft davon auszugehen, dass der Druck zur Einführung von Kontrollmechanismen steigen werde, sagt er dort.

Und es lohnt sich auch in Fernost, sich damit auseinanderzusetzen. Nicht mit dem "Strom der Bestechung" zu schwimmen sei für kleinere Unternehmen in China zwar schwer, beschreibt das ICC-Portal. Aber die Experten mahnen auch gleich: Illegale Schritte hätten nur kurzfristigen Erfolg. Die Geschäfte liefen nur dann gut, wenn sie langfristig mit guten Partnern aufgebaut würden.

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redaktionell verantwortlich: mittelstanddirekt