Motivation zu langfristigem Körpereinsatz

Patrick Weimer referierte über gesundes Leben

Mit dem Thema „Die großen Fitness-Lügen – Was ist wirklich gesund für meinen Körper?“ hatte die Volksbank Main-Tauber den Nerv der Menschen getroffen. So kamen weit über tausend Gäste in die Main-Tauber-Halle in Wertheim um dem Vortrag von Patrick Weimer zu lauschen. „Es gab noch nie so viele Zuhörer bei einer Veranstaltung der Volksbank“, freute sich der stellvertretende Vorsitzende der Bank Hans Lurz in seiner Begrüßung.

Das große Interesse lag wohl auch am Referenten selbst. Weimer ist ehemaliger Hochleistungssportler und mehrfacher deutscher Meister in Sprint und Weitsprung. Heute gilt er als gefragter Experte im Gebiet der Ernährungs- und Trainingswissenschaft und ist ein beliebter Referent.

Gleich für seine erste Aussage erntet er viel Zustimmung vom Publikum. „Im entspannten Urlaub
nimmt man sich den Vorsatz, wenn ich zurückkomme gebe ich richtig Gas auch für meine Gesundheit“, im Alltagsstress gebe man dieses Ziel aber schnell wieder auf.

Deshalb wolle er in seinem Vortrag motivieren sich längerfristig für seinen Körper einzusetzen. Er ging dabei unter anderem auf das Autonome Nervensystem ein, dass unbewusst wichtige Körperfunktionen steuert. Man könne sich dies wie ein Akku vorstellen, dessen Ladung jedes Mal abnehme wenn man etwas gesundheitlich schädliches tut. „Sind dann nur noch 30 Prozent der Ladung vorhanden, kommt es oft zum Herzinfarkt, dann hat man Zeit für Sport, verliert aber den Spaß.“ So werde der Akku aber nie mehr ganz voll. „Deshalb nehmen sie sich vorher Zeit für gezielte Bewegung, gesunde Ernährung und positives Denken“. Vor allem letzteres fehle bei vielen Menschen, sei aber ganz zentral.

Er betonte weiterhin, wie wichtig Bewegung sei. „250.000 Generationen lang haben sich die Menschen viel bewegt, seit eineinhalb Generationen sitzen sie meist. So schnell kann sich eine Spezies nicht umstellen.“ Anhand eines typischen Tagesablauf verdeutlichte er, dass darin sowohl die Zeit für das wichtige Frühstück fehle, als auch für die Bewegung.

Richtig trainieren

Fehlende Bewegung würde erst zu Anspannung und dann zu Verspannung und damit zu schlechter Laune führen. Aber auch Übergewicht sei die Folge. „Wenn sie zwölf Kilogramm Übergewicht haben, ist das wie wenn sie den ganzen Tag einen Bierkasten unter dem T-Shirt mitschleppen“, postulierte er.

Ist dieser Punkt erreicht wolle man schnell durch Diäten abnehmen, die überall auf einen lauern. Doch diese brächten nur den Jojo Effekt. „Wenn sie acht Jahre gebraucht haben um zehn Kilogramm zuzunehmen, nehmen sie sich mindestens acht Monate Zeit es wieder los zu werden.“

Er ging auch auf ein gesundes Training ein. „Sie verlangen von sich ein tägliches Training, doch dann sorgt der kleine Teufel im Ohr schnell dafür, dass Sie alles wieder aufgeben", so der Experte. Außerdem sei auch die Regeneration wichtig, denn in ihr entstünde der Leistungszuwachs. „Bei Freizeitsportlern liegt die Regenerationszeit bei 36 bis 48 Stunden.“

Thema Ernährung

Anhand der Laktatwerte im Blut stellte er die einzelnen Trainingsbereiche vor. „20 Minuten leichte Bewegung in der frischen Luft schon vor dem Frühstück hilft beim Schadstoffabbau im Körper und macht fit.“

Danach kommt die aktive Fettverbrennung zum Beispiel durch Nordic Walking. „Man muss es aber auch können, machen sie am besten einen Kurs“, empfahl er. Dehnen nach dem Sport sei übrigens kontraproduktiv, denn dabei würde man Mikrorisse in den Muskeln nur Verstärken. „Machen sie es wie die Tiere und dehnen sie sich am Morgen!“.

Auch dem Thema Ernährung widmete er sich. „Wir essen heute oft nicht wegen des Hungers, sondern weil die gewohnte Essenszeit ist.“. Er ging auch auf versteckte Zucker in Lebensmitteln wie Konfitüre und die Bedeutung der Eiweißaufnahme für den Körper ein.

Bei Fetten seien die Arten gesund, die bei Zimmertemperatur flüssig sind. Bei der Auswahl der Lebensmittel sollte der Anteil der Kalorien aus Fett höchstens 40 Prozent betragen. „Als Faustformel können sie dazu die Grammzahl an Fett im Produkt mal zehn nehmen und zur Gesamtkalorienzahl ins Verhältnis setzen“. Auch mehr wie 10% Zucker sollte ein Produkt nicht enthalten. Für das Essen gelte die alte Regel: „Frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein König, Abendessen wie ein Bettler“.

Abends seien vor allem Eiweiße am besten, wie aus Fisch und Geflügel, aber auch auf Kohlenhydrate muss man nicht verzichten. Besonders wichtig sei auch Trinken. Ein Prozent Flüssigkeitsverlust bedeute zehn Prozent Leistungsverlust.

Fränkische Nachrichten, 26. März 2014