Frauen leben länger - fragt sich nur wovon?

300 Gäste bei der Veranstaltung in Igersheim

Frauen leben länger – fragt sich nur wovon?“ unter diesem zugegebenermaßen provokanten Titel hatte die Volksbank Main-Tauber am Donnerstag, 20.09.2018 zu einer Informationsveranstaltung nach Igersheim geladen – und rund 300 Gäste sorgten für eine sehr gut gefüllte Erlenbachtalhalle. Mit einem gelungenen Mix aus fachlicher Information und politischem Kabarett begeisterten die Protagonisten des Abends das naturgemäß fast ausschließlich weibliche Publikum.

Heike Groß von der R+V Versicherung und Natalie Derk, Vertriebscoach bei der Volksbank Main-Tauber, übernahmen mit Kompetenz und kurzweiliger Eloquenz den fachlichen Part, während Thomas Schreckenberger den Abend mit überaus unterhaltsamem Kabarett abrundete.

„Freiraumfallen“ aufgedeckt

„Letztlich geht es immer um das eine, nämlich das Budget“, machten die beiden Finanzexpertinnen klar und verwiesen auf die Tatsache, dass im statistischen Durchschnitt Frauen rund 665 Euro im Monat an Rente zur Verfügung stehen, Männern hingegen 1.096 Euro. Eine durchaus verblüffende Bilanz in der heutigen Zeit. „Die Freiraumfallen, also die Komponenten, die den finanziellen Bewegungsspielraum von Frauen im Alter begrenzen, sind sehr vielfältig.“, betonte Heike Groß. Frauen verdienten im Schnitt 21 Prozent weniger Stundenlohn als Männer. „Kommen Kinder ins Spiel minimieren Elternzeit und Teilzeitarbeit die Rentenansprüche weiter. Und ganz nebenbei leben Frauen statistisch gesehen auch noch länger. Diese Tatsachen reißen den Frauen ein großes Loch in den Geldbeutel“, so Groß weiter. Der finanzielle Freiraum für Aktivitäten jenseits der Grundbedürfnisse sei oft sehr überschaubar; „Für Freizeit, Fitness oder Mobilität bleibt oftmals leider sehr wenig übrig“.

Trügerische Sicherheit

Viele Frauen lebten in der trügerischen Sicherheit, dass die finanzielle Unterstützung durch den Ehepartner diese Lücken fülle. Oftmals werde dabei aber übersehen, dass im Falle des Todes die Hinterbliebenenrente des Mannes oft bei weitem nicht ausreiche, um die Bedürfnisse eines erfüllten Lebens zu ermöglichen. Hinzu komme, dass nur bei 11 Prozent aller Paare keiner von Pflegebedürftigkeit betroffen sei, was oft große Löcher in die finanzielle Planung reiße. Und es sei auch eine statistische Tatsache, dass ein Drittel aller Ehen geschiedenen werde. Von der am Budget nagenden Inflation ganz zu schweigen. „Sie sehen also, die Freiraumfallen für Frauen sind vielfältig und oft auch unberechenbar. Es ist also enorm wichtig, gut informiert und bestens vorbereitet zu sein“, ergänzte Natalie Derk, die dringend dazu riet, auf das Knowhow geschulter Berater zurückzugreifen.

Individuelle Vorsorge sichern

„Jede Situation ist ganz individuell zu behandeln und bedarf fachkundiger und neutraler Beratung“ betonte die Finanzexpertin der Volksbank. „Prüfen Sie Ihre Rentenversicherung, insbesondere Ihre Ausbildungs- und Erziehungszeiten. Hierzu können Sie einen aktuellen Versicherungsverlauf bei den Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung und unter www.deutsche-rentenversicherung.de beantragen“, riet Heike Groß den Anwesenden. Darüber hinaus gelte es, die Fördermöglichkeiten des Staates zu nutzen. Eine in Teilzeit arbeitende Frau mit zwei Kindern könne mit einem Mindestsparbetrag von 60 Euro monatlich einen jährlichen Zuschuss von 775 Euro erhalten. Das seien zusätzlich 113 Euro monatliche Rente und entspreche einer Förderquote von 1291 %. „Das kann Ihnen keine Geldanlage bieten“, so die Referentin. Als Alltagsmanagerinnen hielten Frauen den komplexen Alltag allen Bereichen am Laufen. „Meistens vergessen sie dabei aber, sich in Sachen Altersvorsorge die nötigen Gedanken zu machen. Beginnen Sie deshalb jetzt, sich breit aufzustellen und genießen Sie das Gefühl, gut vorgesorgt zu haben.“ bat Natalie Derk die interessierten Zuschauerinnen.

Kabarett begeistert

Nach so viel fundierter und vertrauenswürdiger Information übernahm es der vielfach ausgezeichnete Thomas Schreckenberger, das Auditorium mit Auszügen aus seinem aktuellen Kabarettprogramm trefflich zu unterhalten. Thomas Schreckenberger brachte Licht ins Dunkel auf der verzweifelten Suche nach irgendjemandem, dem man noch trauen kann. Begleitet wurde er von den üblen Verdächtigen aus Politik und Gesellschaft, die er als treffsichere Parodien erscheinen ließ und bei denen man sich fragte, ob sie eher Hilfe oder Hindernis sind. Sicher aber wäre, so Schreckenberger, dass „70 das neue 50“ sei und seine Oma jüngst einem jungen Mann mit dem „umgekehrten Enkeltrick“ 1000 Euro abgenommen habe. Als Altersvorsorge tauge dieses Vorgehen freilich nur bedingt, so dass eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema sicher zu empfehlen sein.